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Samstag, 25 August 2018 00:12

Schwierige Zeiten für die sächsische Forstwirtschaft

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Das Zusammenspiel aus Sturm, Hitze und Trockenheit setzt den sächsischen Wäldern erheblich zu

Erst die verheerenden Stürme, dann die rekordverdächtige Trockenheit und Hitze: der sächsische Wald und seine nachhaltige Bewirtschaftung durchleben angespannte Zeiten. Dabei führt insbesondere die Verkettung der Schadereignisse zu einer erheblichen Zuspitzung der Situation. Die folgenschweren Sturmschäden des Winters und die seit April ausgeprägte Trockenheit haben die sächsischen Waldbäume erheblich geschwächt. Im Frühjahr gepflanzte Kulturen, welche Waldbestände für Jahrzehnte begründen sollten, vertrocknen und Schadinsekten vermehren sich rasant.

„Wir erleben das schwierigste Jahr für die Forstwirtschaft in Sachsen seit der politischen Wende“, umreißt Landesforstpräsident Prof. Hubert Braun die gegenwärtige Situation. „Sturm, Trockenheit und Hitze: alles in einem Jahr und alles auf Rekordniveau. Die sächsischen Waldbesitzer stehen vor großen Herausforderungen.“ Dabei werden sich die entstandenen Schäden nicht auf ein Jahr beschränken lassen. „Wälder werden durch Generationen hinweg gepflegt und bewirtschaftet. Die Schäden eines Jahres haben Auswirkungen für Jahrzehnte.“

Vor allem für Borkenkäfer bot die diesjährige Situation ideale Voraussetzungen für eine massenhafte Vermehrung: Ein hohes Angebot an Brutmaterial in Form sturmgeschädigter oder durch Trockenheit geschwächter Bäume sowie eine rasante Käferentwicklung bei hohen Temperaturen. Die zügige Aufarbeitung der Sturmschäden konnte diese Entwicklung nicht aufhalten. „Die diesjährigen Schäden durch Borkenkäfer werden aller Voraussicht nach die höchsten in unseren Aufzeichnungen seit 1946 sein“, schätzt Braun.

Insbesondere Fichten in den unteren Lagen der sächsischen Mittelgebirge und im Hügelland sowie Kiefern in Nordwestsachsen sind aktuell durch die Insekten gefährdet. Aufgrund der langanhaltenden Hitzewelle kann ein einzelnes Weibchen des für Fichten gefährlichen Buchdruckers – der bedeutsamsten Borkenkäferart in Sachsen – in einem Jahr über 10.000 Nachkommen in drei Generationen zeugen. „Einer derartigen Massenvermehrung kann sich auch eine gesunde Fichte nicht widersetzen, eine geschwächte aber erst recht nicht“, so Braun. Die Nachkommen aus einem befallenen Baum können wiederum zwanzig neue Bäume angreifen. So wurde unter Umständen aus einer befallenen Fichte im Frühjahr inzwischen etwa ein Hektar Fichtenwald geschädigt.

Dabei ist das Aufspüren brütender Käfer selbst bei hohen Populationsdichten schwierig und das Ausmaß der Schäden erst ab dem Spätsommer abschätzbar. „Einzig frisches Bohrmehl an der Rinde, besonders am Stammfuß der Fichten ist ein sicheres Zeichen für einen frischen Befall“, erläutert Braun. Sobald sich die Kronen der Fichten verlichten bzw. leuchtend-rot verfärben, ist die neue Käferpopulation bereits ausgeflogen und sucht neue Brutplätze. Die befallenen Bäume müssen vor dem Ausflug der Käfer gefällt, aufgearbeitet und abgefahren werden.

Kein leichtes Unterfangen bei gut 60 Millionen potenziellen Brutbäumen der Fichte in den sächsischen Wäldern. Die Mitarbeiter in den Forstbetrieben sind derzeit dauerhaft mit der Kontrolle und fachgerechten Beseitigung der Befallsherde beschäftigt – auf-wendige Maßnahmen, welche viele der rund 85.000 privaten Waldbesitzer in Sachsen kaum stemmen können. Vor den Grenzen der mehrheitlich sehr kleinen Waldgrundstücke machen die Käfer keinen Halt. Unzureichende Zuwegungen, begrenzte technische Kapazitäten und eine schwierige Vermarktung der kleinen Holzmengen verhindern oft eine schnelle Sanierung der Schäden. Um dieser besonderen Belastung zu begegnen, können sich private Waldbesitzer durch Fachleute von Sachsenforst gebührenfrei beraten lassen.

Für Waldbesitzer bedeuten dabei nicht nur das entwertete Holz der befallenden Bäume sowie der Verlust des Zuwachses erhebliche Einbußen. Auch die Möglichkeiten, den Wald der Zukunft zu gestalten, werden durch die Käfer oft eingeschränkt. „Wenn wir den notwendigen Waldumbau in Sachsen weiter so konsequent verfolgen wollen, müssen wir die Waldentwicklung zielgerichtet steuern“, bekräftigt Braun. Struktur- und artenreiche Mischwälder können Extremwetterlagen weitaus mehr entgegensetzen und vermögen sich nach Schäden selbst zu regenerieren. Um diese Wälder im Rahmen des Waldumbaus aber aufzubauen, bedarf es einer aktiven Gestaltung. „Wir dürfen nicht vergessen, dass für die Bewältigung derartiger Extremsituationen die Arbeit engagierter Fachleute erforderlich ist, um alle Funktionen des Waldes für die Gesellschaft nachhaltig zu erhalten.“

Weitere Informationen einschließlich der Förstersuche für den zuständigen Ansprechpartner für Waldbesitzer stehen im Internet unter www.sachsenforst.de bereit.

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  • Quelle: Sachsenforst - Staatsbetrieb Sachsenforst
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